Beschreibung des Standes im Juni 2016 

Sanierung der Klausenkapelle

Es gibt Orte mit einer besonderen Ausstrahlung. Die Waldlichtung mit der Klausenkapelle und dem Kreuzweg, der dort hinaufführt, ist so ein Ort. Betritt man das Kirchenschiff, so schweift der Blick über die bemalte Decke, durch einen schönen gotischen Sandsteinbogen hin zum Altarbild mit den 14 Nothelfern. Man freut sich, dass dieses meisterlich komponierte und ausgeführte Altarbild hier zu sehen ist. Sein Entwurf stammt von Johann Baptist Schraudolph, der in den Jahren 1846 bis 1853 den Speyrer Dom mit Fresken ausgemalt hatte. Die Decke ist mit pflanzlichen und dekorativen Motiven geschmückt, in die Medaillons mit christlichem Inhalt eingeschrieben sind (Geißelungssäule und Kreuz, jeweils mit dazugehörigen Geräten, IHS, Evangelistensymbole). Wie sehr diese Deckenmalerei der Gebrüder Turgetto aus Germersheim aus dem Jahre 1885 das Raumerlebnis prägt, kann sich der Besucher deutlich machen, wenn er sich stattdessen eine weiß getünchte Decke vorstellt. Klar, dass der Erhalt der Deckenmalerei ein zentrales Anliegen bei der anstehenden Sanierung der Klausenkapelle ist.

Warum Sanierung?

Betrachtet man die Decke von unten genauer, so fällt ein welliges Profil auf. Das hat den Verwaltungsrat zur Frage veranlasst: Wie ist es um die Statik der Decke bestellt, wie sieht der Dachraum aus? Die Inspektion brachte eine böse Überraschung. Schäden waren unübersehbar.

Aufbau der Decke

Zur Erläuterung der Schäden muss man sich den Aufbau der Decke ansehen: Quer zum rechteckigen Kirchenschiff liegen auf den Längsmauern in einem Abstand von knapp einem Meter die Deckenbalken auf. In der Mitte sind die Balken mit einem mächtigen Überzug verbunden, der sich über die ganze Länge des Kirchenschiffs erstreckt. Dieser Überzug ist mit eisernen Schraubankern am Dachstuhl aufgehängt. Die Räume zwischen den Deckenbalken sind mit Lehmwickeln ausgefüllt, die folgendermaßen aufgebaut sind: Um ein Stakbrett ist eine Masse aus Strohhäcksel und Lehm aufgebracht. Die Stakbretter ragen an beiden Enden wenige Zentimeter über die Lehmwickel hinaus, damit sie in Längsnuten der Deckenbalken eingeschoben werden können. Dicht aneinander gepackt schließen die Lehmwickel die Räume zwischen den Balken. Oben ist ein Glattstrich aus Lehm aufgebracht. Von unten sind Rohrmatten als Putzträger an die Deckenbaken genagelt. Dann folgt die Putzschicht, auf der die Bemalung aufgetragen ist.

Schäden an der Decke

Vor allem im Bereich der Deckenbalken hat der Holzsachverständige Reiner Klopfer im August 2014 einen Befall durch den Hausbock festgestellt. Die stichprobenartige Entnahme von Bohrkernen hat eine starke Reduzierung der Querschnitte ergeben, so dass stellenweise nur noch eine Restfestigkeit von weniger als 20 % gegeben ist. Der 1974 erneuerte Dachstuhl weist einige Mängel und schadhafte Stellen auf. Da es keine Hinweise auf eine noch lebende Hausbockpopulation mehr gibt, sind Bekämpfungsmaßnahmen nicht erforderlich. Das punktuelle Ausräumen von Lehmwickeln im Mai 2016 hat gezeigt, dass Stakbretter gebrochen und die Nuten in den Deckenbalken nicht mehr tragfähig sind. Dort liegt die Last der Lehmwickel dann auf dem Deckenputz. Eine solche Belastung hat vor etwa 10 Jahren schon zu einem Abbruch größerer Putzflächen geführt.

Schäden an der Deckenbemalung

Die Bemalung wurde 2015 von einem Rollgerüst aus untersucht. Die Farbe lässt sich abwischen, die Farbpigmente stauben aus. An einigen Stellen zeigt sich Blasenbildung, an anderen Stellen flächiges Abplatzen der Malschicht.

Sanierungsmaßnahmen

Der Statiker Albert Schwab und der Diözesankonservator Wolfgang Franz haben folgende Sanierungsmaßnahmen festgelegt:
- Ausbau der Lehmwickel. Damit wird die Belastung der Decke um 13-14 to gesenkt
- Zimmerarbeiten (Einbau von mindestens 7 neuen Deckenbalken und Verschrauben mit den vorhandenen Balken, Einbau von 2 Überzügen in diesem Bereich, schadhafte und mangelhafte Stellen am Dachstuhl beheben, Glockenturm sichern usw.) Während dieser Arbeiten muss die Decke von innen mit Stützen abgefangen werden, die mit Schaltafeln, Gummimatten und Filz belegt sind und vorsichtig gegen die Decke gedrückt werden. Zuvor muss die Malschicht gefestigt werden. Der Materialtransport erfolgt durch einen Dacheinstieg, der nach Beendigung der Arbeiten wieder geschlossen wird.
- Bekleben der ausgeräumten Felder zwischen den Deckenbalken mit Gaze
- Ausgeräumte Felder zwischen den Deckenbalken mit einem Fußboden aus Nut- und Federbrettern schließen
- Festigung der Malschicht und kleinere Retuschen an der Bemalung

09.06.2016

Günter Carqué

Zurück